`
CHRISWEIER digital creatives
Digital Strategie und Konzeption aus Hamburg
Blog.png

Blog

Digitales Trend-Blog, das UX-Themen genauso erörtert wie Innovationen und neue Technologien.

Designing for Generation Z

 

Ein Thema, das mich bei der diesjährigen NEXT Conference besonders inspiriert hat, war die Generation Z und ihr Bezug zur digitalen Welt. Denn eine Webanwendung oder eine App für Menschen unter 17 zu konzipieren und zu gestalten, birgt ganz neue Herausforderungen, der sich gerade die älteren Marketer und Konzepter unter uns oft gar nicht bewusst sind.

Facts first

Wer selber Kinder hat, mag ein besseres Gefühl dafür haben, was junge Menschen umtreibt, was sie interessiert und wie man sie begeistert. Für alle anderen ein paar Fakten: Die Generation Z verbringt mehr als ein Viertel ihres Tages vor diversen Screens. 2/3 nutzen Smartphones. Nur zum Vergleich: In meiner Generation gehörte ich mit meinem ersten Handy mit 19 Jahren zum absoluten Vorreiter. Gut, damals gab es auch noch kaum erschwingliche Mobiltelefone, geschweige denn spannende Dinge, die man damit - außer telefonieren, und das auch nur eingeschränkt (Netzqualität) - hätte tun können. Apropos telefonieren: Eine Beschäftigung, die die Generation Z überhaupt nicht versteht. Einer der Speaker auf der NEXT Conference erzählte sogar, dass seine 15-jährige Tochter nicht einmal in der Lage sei, richtig zu telefonieren, weil sie es nicht schaffe, mehrere Minuten einem Gespräch über ein Telefon zu folgen, ohne von etwas abgelenkt zu werden und den Gesprächspartner zu vergessen. E-Mails sind genauso old-fashioned für heutige Teenager wie Facebook. Auf Facebook sind nur ihre Eltern, E-Mails schreiben lediglich Oma und Opa ihnen. Sinnvoll findet Mails niemand.

Quelle: Generation Z and the Future of Technology, Pamela Pavliscak

Quelle: Generation Z and the Future of Technology, Pamela Pavliscak

Stattdessen nutzt die Gen Z Messenger, selbst, wenn es eigentlich gar nichts zu erzählen gibt. Emojis oder Fotos sagen sowieso mehr als Texte. Oder sie treffen sich zum Hangout, um gemeinsam ein Video zu schauen oder über twitch anderen beim Gaming zuzusehen. Interessanterweise kombinieren sie dabei oft die Nutzung elektronischer Devices wie eines Tablets mit realen Dingen: Puppen, Legohäuser oder Spielzeugautos. Halten wir fest: Die Generation Z ist kein einsamer Stubenhocker, sondern Freundschaften und persönliche Beziehungen spielen eine wichtige Rolle, auch wenn ein großer Teil davon online stattfindet. So kommt es auch, dass 26% der Gen Z Freunde im Ausland hat, denn nie war es einfacher, grenzübergreifend über Social Media Gleichgesinnte außerhalb der eigenen Nachbarschaft zu finden. 

Quelle: Generation Z and the Future of Technology, Pamela Pavliscak

Quelle: Generation Z and the Future of Technology, Pamela Pavliscak

Workarounds

Allerdings darf man dabei auch nicht vergessen, dass sie zwar alle möglichen Devices gefühlt spielend nutzen können, allerdings nicht jede Funktion ihres Smartphones oder jede Option einer App kennen. Denn wir dürfen nicht außer acht lassen: Sie sind immer noch Kinder. Speakerin Pamela Pavliscak erzählte von einem Jungen, der in Tränen aufgelöst war, als nach einem iOS-Update seine Bookmarks in Safari verschwunden waren. Es stellte sich heraus, dass er nicht wusste, dass es Apps wie Spotify gibt oder er bei YouTube die Möglichkeit hat, sich Playlisten zusammenzustellen. Stattdessen googelte er jeden Song, der ihm gefiel und sammelte die YouTube Links in seinen Bookmarks (die er übrigens in unzähligen Tabs geöffnet hatte). Dazu kommt, dass unsere Kids zwar ein Smartphone besitzen, aber meist das alte Gerät ihrer Eltern. Also kein Wunder, dass ein leerer Akku oder volle Speicher zu den Horrorszenarien der Gen Z gehören. 

Quelle: Generation Z and the Future of Technology, Pamela Pavliscak

Quelle: Generation Z and the Future of Technology, Pamela Pavliscak

Digital ist die Normalität

Die Generation Z wächst von klein auf mit Technologie auf. In einer digitalen Welt. Für sie ist es total normal, alles online zu erledigen: chatten, Pizza bestellen, Filme schauen, spielen. Sie setzt sich nicht auseinander mit den Pros und Cons einer vollkommen digitalisierten Welt, kennt kein Digital Detox. Doch auch sie will von Zeit zu Zeit anonym sein. So kommt es, dass Dark Social in der Generation Z eine wichtige Rolle spielt: Die meisten besitzen deshalb gleich mehrere Instagram Accounts, einen öffentlichen und einen privaten für die nicht ganz so perfekten Fotos, auf denen sie ganz sie selbst sein können.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen spricht bereits mit ihren Devices

Interessant ist auch die Tatsache, dass die Gen Z bereits intensiv mit ihren Devices spricht. Alexa, Siri und Google Now sind ganz natürliche Hilfsmittel, um ans Ziel zu kommen. Neulich erzählte mir erst wieder ein Vater, dass seine kleineren Kinder jetzt nicht mehr auf die Älteren angewiesen sind, seit sie mit Alexa sprechen können, um einen Zeichentrickfilm zu sehen. 

Privates ist privat

Privatsphäre spielt eine große Rolle, auch wenn man immer wieder davon hört, wie „leichtsinnig“ die Generation Z doch mit ihren Online-Daten umgehe. Das wiederum ist allerdings den Apps und Websites zuzuschreiben, die sie nutzen. Denn wir dürfen bei all der Digital-Affinität nicht vergessen, dass die Gen Z doch immer noch Kinder sind, denen oft niemand erklärt, wie man Apps richtig benutzt und seine Daten schützt.

Noch mehr Fakten, Quelle: Generation Z and the Future of Technology von Pamela Pavliscak

Wenn wir jetzt all diese Fakten zusammenzählen, was bedeutet das für die Zukunft unserer Interfaces und digitalen Produkte? Bilder, Videos und Emojis sind die beliebtesten Kommunikationsmittel der Generation Z. Gemeinsame Erlebnisse mit Freunden sind genauso wichtig wie für uns damals, nur, dass die Gen Z eben vornehmlich online lebt und teilt. Und ja, sie legt großen Wert auf Privatsphäre, muss aber angeleitet werden, bestimmte Einstellungen überhaupt zu finden und zu verstehen. Besonders interessant finde ich den Fakt, dass sie gleichzeitig digitale Devices und reale Objekte nutzen. Das gibt noch viel Spielraum für neue Arten von Anwendungen und innovative Konzepte, die genau das mit dem gemeinsamen Erleben und Lernen verbinden. So, don`t be scared but take the chances!

 
Chris Weier