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Digital Strategie und Konzeption aus Hamburg
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Digitales Trend-Blog, das UX-Themen genauso erörtert wie Innovationen und neue Technologien.

Wie Foursquare sein Geschäftsmodell dreht

 

Vor kurzem berichtete die deutsche WIRED von einem Startup in China, das mit Hilfe einer Dating-App zu einem Big Data-Player werden will. Der Gründer erklärte das mit der plausiblen Begründung, dass wir Menschen, die wir sympathisch finden, ehrliche Antworten auf ihre Fragen geben. Ein typisches Szenario, wenn man den Partner fürs Leben finden will. Somit sammelt der App-Anbieter zunächst eine Fülle an Daten zu etlichen Usern, um diese am Ende an Anbieter zu verkaufen, die mit diesen Informationen z.B. in der Lage sind, uns maßgeschneiderte Angebote zu verkaufen. Und da wären wir bei Foursquare, seinem ursprünglichen Business Model und seinen neusten Aktivitäten.

Im Jahr 2014 beerdigte Foursquare seine alte App und teilte fortan seine Usergemeinde auf in diejenigen, die ortsbasierte Tipps suchten und die anderen, die mehr Spaß an Checkins, Mayorships und Competitions hatten. Jetzt sorgt das Unternehmen mit Pilgrim für neue Schlagzeilen. 

DIE SUPER-POWER: WE HAVE THIS AWESOME THING THAT WE BUILT, AND IT ONLY LIVES IN TWO APPS — FOURSQUARE AND SWARM.
— Foursquare-Gründer Crowley

Im Jahr 2017, wo sich alles um Big Data dreht, bietet Foursquare mit Pilgrim SDK nämlich eine attraktive Möglichkeit, mit umfangreichen Geolocation Data bestehende Geschäftsmodelle anderer Anbieter zu erweitern. Ausgewählte Partner haben derzeit bereits die Möglichkeit, dank Pilgrim zu erfahren, wann jemand in seinem Lieblings-Coffeeshop eine Pause einlegt, eine neue Stadt bereist oder ein neues Restaurant testet. Und das alles ohne iBeacons oder aktives Zutun des Users selber. 

BESSER ALS GPS UND IBEACONS

Wie aber funktioniert diese Technologie? Was kann Pilgrim, das GPS alleine nicht kann? Foursquare verbindet einzelne Checkins in einer Location zu einer größeren Fläche, um Ungenauigkeiten auszugleichen, die durch Signalstörungen, zu frühes Einchecken (an der Ampel gegenüber) oder defekte Funkverbindungen entstehen. User, die Swarm oder Foursquare auf ihrem Device installiert haben und eine dieser Flächen betreten, können so genau einer Location zugeordnet werden und erhalten entsprechend automatisch Mitteilungen wie Empfehlungen zu bestimmten Gerichten oder Events am jeweiligen Ort. Oder Informationen zu aktuell geltenden Gutschein-Aktionen wie zum Beispiel vom amerikanischen Unternehmen SnipSnap, das einer der ersten Pilgrim-Partner ist. 

DATEN SAGEN IPHONE 6S-VERKÄUFE VORAUS

Quelle: Foursquare

Quelle: Foursquare

Foursquare kann mittlerweile mehr als 11 Milliarden Checkins verbuchen. Und hat in den Jahren seit seiner Gründung massenhaft wertvolle Daten gesammelt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo Gründer Dennis Crowley genau diese Daten gewinnbringend nutzen möchte. So konnte er z.B. mit unglaublicher Genauigkeit vorhersagen, wie viele iPhone 6S am ersten Wochenende verkauft werden würden (zwischen 13 bis 15 Millionen). Apple bestätigte die Zahl mit 13 Millionen verkauften Geräten. 

Bereits vor dem Launch von Pilgrim zeigte Foursquare am Beispiel von T. J. Maxx in den USA, welche Möglichkeiten das kontinuierliche Sammeln von Bewegungsdaten seiner User bietet. Wo gehen Kunden vor und nach ihrem Besuch bei T.J. Maxx hin, welche Designer bevorzugen sie, wie oft kommen sie in die Stores, wie alt sind sie? 

DIE DATENKRAKE IN DER HOSENTASCHE

Dank der schlummernden, aber immer den Standort sendenden App in der Hosentasche seiner User erkennt Foursquare, wenn ein User sich an einem Ort länger aufhält. Aber was noch interessanter ist: Foursquare weiß auch, ob der User hier schon einmal gewesen ist, wie lange er normalerweise bleibt, ob seine Freunde auch in der Nähe sind oder auch welche Gerichte er hier besonders gerne isst. Laut Aussage von Foursquare sind es immerhin 1,3 Millionen User weltweit, die ihre Standortdaten ständig automatisch übermitteln. 

Wenn Foursquare Pilgrim künftig für alle Developer öffnet, werden sich App-Hersteller umso mehr fragen müssen, inwiefern sich Funktionen und Prozesse ändern, wenn sie wissen, ob der User letzte Nacht zu lange gefeiert hat (Sport-Apps), vergangene Woche zu viel Pizza gegessen hat (Ernährungs-Apps), zum ersten Mal in der Stadt ist (Mobilitäts-Apps) oder ganz simpel: Welche Vorlieben er normalerweise bezüglich Restaurants, Museen oder Freizeitbeschäftigungen hat. So hat es Crowley allen Unkenrufen zum Trotz geschafft, dank jahrelangem Sammeln von Daten aus einem einfachen Mobile Social Network einen Geolocation Data Provider zu erschaffen.

 
Chris Weier